Porno, Glücksspiel und die anderen üblichen Verdächtigen

Nein. Nicht alle Werbung im Netz ist Porno oder Glücksspiel. Da gibt es auch immer wieder die tollen Tipps zu – wie verdienen sie 600 Euro am Tag. Man fragt sich ja sowieso, wie sich das rechnen kann, diese Anbiederung und dieses Dummdreiste. Wer ist schon so blöd und fällt auf so was rein – oder bezahlt monatlich fleißig seinen Obulus, nur um nackte Titten sehen zu können (okay, vielleicht auch ein bisschen mehr als nur Titten)? Aber damit nicht genug. Auf sozusagen seriösen Seiten mit hohem Traffic, wie bei Zeitschriften und ähnlichem, schmeißen sich die großen Konzerne und Marken an den Busen des Internettisten – mit ausklappbaren Flashanimationen, Pop-Ups, vorgeschalteten Seiten, oder, ganz clever, transparenten, sich sozusagen unsichtbar über die Seite ausklappendem Werbemittelchen. Ungeduldige Menschen wie mir passiert es dann schon mal, dass sie zu schnell geklickt haben – und Bumms geht ein neues Fenster auf. Vielleicht für eine Automarke (habe nicht mal den Führerschein), vielleicht für etwas Anderes (interessiert mich auch nicht). Ist ja auch nicht so schlimm, sagt man sich und schließt das Fenster und landet wieder auf der Werbung (mit viel Pech und Ungeduld klappt die sich noch einmal aus und – Bumm – aber das hatten wir ja schon…). Wahrscheinlich bin ich ein schlechtes Beispiel. Ich  interessiere mich wenn überhaupt, dann für Bücher und Kunst. Dabei ist das Anliegen mit und durch das Internet Geld zu verdienen und Produkte, Marken, eine Art des Lifestyle zu bewerben ja durchaus ehrenwert und wer das Glück oder die Intuition besitzt, einen Inhalt so ansprechend verpackt zu bekommen, dass jemand sich dafür interessiert – hervorragend. Das ist anstrengende und sicher häufig frustrierende Arbeit (dann, wenn es nicht so ganz klappt). Diese ganzen Tricksereien und Taschespielertrickchen (siehe oben…) aber nerven tierisch. Für was soll das denn gut sein? Die Statistik? Einen durchschnittlichen Internetnutzer verärgert man doch so eher, als das man ihn „wirbt“. Na und außerdem macht Glücksspiel süchtig und Porno ist böse. Irgendeinen Haken haben ja alle Sachen, die Spaß machen könnten! Zu guter letzt gibt es dann ja auch noch die guten Googlealhorithmen für personalisierte Werbung. So personalisiert, dass nach einer Buchung eines Hotels in Paris Hotelbuchungsseiten links und rechts und oben und unten und überall, wo noch eine Anzeige dazwischenpasst auftauchen. Die meisten natürlich für Hotels in Paris. Lieb von denen. Aber ich war ja gerade erst verreist – nach Paris. Und sind es nicht die Hotels, ist es Groupon (habe nie etwas bei denen bestellt) oder Zalando, was fast noch schlimmer ist, da ich nie – wirklich nie – Kleidung über das Internet kaufe. Super Personalisierung also, muss aber wohl klappen mit all den Schafen da draußen im virtuellen Nirvana. Auf eine richtige Entdeckung, eine Werbung, eine Trickserei, ein was weiß ich, das mal richtig Spaß macht, das einen an- und umhaut, die Witz (im klassischen Sinne von Esprit) hat, darauf muss ich wohl noch lange warten. Bis dahin heißt es fleißig Pop – Ups schließen, Titten wegklicken und wieder mal fluchend beim Morgenkaffee bei einer Automarke vorbeischauen, anstatt die News zu lesen.

Über philippkoch

author and curator, specializing in literature and writing on visual arts
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